Matrix
30. Juni 2024

DMDR- #1.0- Eine Frage der Perspektive

Eine optische Täuschung ist ein Phänomen, bei der das menschliche Gehirn visuelle Informationen auf eine irreführende Weise interpretiert. Eine solche Täuschung der Sinne kann dazu führen, dass Formen, Farben, Entfernungen oder Bewegungen anders wahrgenommen werden, als sie tatsächlich sind.

 

Das nebenstehende Bild zeigt eine alte Frau. Wenn wir jedoch genauer hinsehen und damit die Perspektive ein wenig verändern, kann unser Gehirn aus ein und denselben Linien eine völlig neue Lösung generieren.

Dieses Beispiel deckt zwei Schwachstellen unseres Gehirns auf. Es zeigt zum einen, dass ein und dasselbe Bild aus einer anderen Perspektive völlig anders aussehen kann und sobald wir dann versuchen im Kopf auf das andere Dia umzuschalten, bemerken wir auch noch, wie verzweifelt es sich an eine Lösung klammert, sobald es einmal eine passende gefunden hat.

 

Dasselbe gilt auch für die mentale Konstruktion in unseren Köpfen, die wir für die Realität halten, denn auch dieses Bild ändert sich diametral, sobald wir unseren eigenen Tunnelblick als solchen erkennen und damit ebenfalls eine neue Perspektive einnehmen.

 

Treten wir zunächst ein paar Schritte näher an die Realität heran und öffnen die Türe zur submolekularen Ebene, dann sehen wir plötzlich, dass all die Materie, wie die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Zellen, aus denen unser Körper besteht und alles, was ihn umgibt, aus aneinander gereihten Atomen besteht. Ein Atom ist sehr klein. Fädeln wir sie wie Kugeln auf eine Schnur auf, benötigen wir 10 Millionen von ihnen, um eine Perlenkette mit der Länge von einem Millimeter zu basteln.

 

Noch unvorstellbar viel kleiner als die Schale eines Atoms ist sein Kern. Ändern wir den Maßstab und setzen ihn einem Stecknadelkopf gleich, den wir in die Mitte eines Fußballfeldes legen, fände in seiner Hülle ein ausgewachsenes Bundesligastadion Platz. Da die Hülle kein festes Gebilde ist, sondern eine Art Schirm, der von Elektronen aufgespannt wird, die den Kern mit Lichtgeschwindigkeit umkreisen, wiegt sie so gut wie nichts. Wenn 99,9999999999% der Gesamtmasse eines Atoms allein der Kern auf die Waage bringt, dann bedeutet das, dass der überwältigend große Volumenteil eines Atoms und damit auch die Materie, wie beispielsweise unser Körper, aus leerem Raum besteht.

Genau wie die Rotorblätter eines frisierten Ventilators eine kreisrunde, undurchdringbare Scheibe aufspannen, erzeugen die Elektronen eine Kugelhülle, die aneinandergereiht eine scheinbar feste Oberfläche bilden. Das ist der einzige Grund, weshalb wir weder durch Wände gehen können noch im freien Fall im Erdboden versinken. Könnten wir gewissermaßen die Luft aus den Atomen lassen, sodass unsere Perlenkette nicht mehr aus aneinandergereihten Fußballstadien, sondern aus aneinandergereihten Stecknadelköpfen besteht, würde die Erde auf die Größe einer Murmel schrumpfen, die bequem in eine Hosentasche passt. Die Nähte dieser Tasche müssten jedoch etwas verstärkt werden, denn die Masse der Erde, inklusive aller Weltmeere bleibt bei diesem Verdichtungsprozess annähernd konstant und damit bringt diese kleine Murmel, trotz ihrer geringen Größe ein unvorstellbares Gewicht von knapp sechs Billiarden Megatonnen auf die Waage. Wo Materie auf diese Weise in sich kollabiert, entstehen die wohl mysteriösesten Gebilde, die dieses Universum zu bieten hat, supermassive schwarze Löcher.

 

Treten wir jetzt ein paar Schritte zurück und verlassen den Mikrokosmos, um das Bild der Realität auch von der gegenüberliegenden Seite, dem Makrokosmos betrachten zu können, sehen wir uns auf einem Planeten leben, der genau ein Jahr benötigt, um seine 940 Millionen Kilometer lange Umlaufbahn um die Sonne zurückzulegen. Wenn die Geschwindigkeit aus dem Quotienten der zurückgelegten Strecke und der dafür benötigten Zeit berechnet wird, dann bedeutet das, dass wir jetzt in diesem Moment, während wir diese Zeilen lesen, schlafen oder in die Arbeit fahren, JETZT, auf einem 12.740 Kilometer Durchmesser großen Gesteinsbrocken sitzen, der mit einer Orbitalgeschwindigkeit von 107.000 Stundenkilometern, 30 Mal schneller als eine Gewehrkugel, um einen 15 Millionen Grad heißen Feuerball kreist, der über eine Millionen Mal größer ist als die Erde.

 

Bleiben wir noch eine Weile hier draußen in der Beobachterperspektive, sind wir weit genug zurückgetreten, um das große Bild der Evolution in vollem Ausmaß begreifen zu können, in dem alle Lebewesen auf der Erde in perfekter Symbiose nebeneinander koexistieren. Wie in einem meisterhaft eingestellten Getriebe, ist alles von allem irgendwie abhängig. Nur ein Lebewesen passt nicht in dieses Bild. Es steht daneben und versucht es zu verkaufen. Insekten spielen in diesem Getriebe eine so tragende Rolle, dass ganze Ökosysteme kollabieren, wenn solche Zahnräder unter diesem Druck zerbrechen. Verschwindet der Bildverkäufer von der Bühne, floriert das Leben. Er ist der Sand im Getriebe, doch auch dieses Lebewesen ist ein Naturprodukt. Der Homo Sapiens Sapiens, der sich selbst als modernen Menschen bezeichnet, kann damit unmöglich das fertige Produkt sein.

Welcher evolutionäre Entwicklungsschritt muss geschehen, damit sich auch dieses Lebewesen nahtlos in das große Bild einfügen kann?

Es muss die Perspektive verändern.