Matrix
15. Juni 2024

DMDR- #1.5- Kinderspielzeug

Da wir im Rückspiegel der Zeit nur sehen können, woher wir kommen aber nicht sehen können, wohin wir gehen, kann in einem so eingeschränkten Sichtfeld leicht der Eindruck entstehen, zu Beginn des dritten Jahrtausends über eine hochentwickelte Technologie zu verfügen, doch verändern wir wieder die Perspektive, zeigt sich sehr schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Das Beispiel Auto eignet sich hervorragend, um genau das sichtbar zu machen.

Am 29. Januar 1886, vor nicht einmal fünf Minuten auf der Lebensuhr des „modernen“ Menschen, meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Die Patentschrift DRP 37435 gilt damit als die Geburtsstunde des Automobils. Im Juli 1886 berichteten die Zeitungen über eine erste öffentliche Ausfahrt des dreirädrigen Benz Patent- Motorwagens, Typ 1.Seitdem hat sich einiges verändert. Der Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren wurde deutlich erhöht und sie werden allmählich durch die bei Weitem effizienteren Elektromotoren ersetzt. Die Technik wurde ausgefeilter. Das Autofahren wurde zum komfortablen Erlebnis. Allerhand Schnickschnack fand seinen Weg in die Fahrgastzelle, um das Reisen möglichst angenehm zu gestalten. In jedem Bauteil steck eine unglaubliche Entwicklung, doch das dahinterliegende Funktionsprinzip hat sich seitdem nicht verändert. Auch das modernste, selbstfahrende Elektroauto auf dem Markt, ist immer noch eine Weiterentwicklung des ersten Konzepts von Carl Benz aus dem Jahr 1886, sozusagen Version 1.XXXXXX.Die Abstraktion des Prinzips macht die Gleichheit sichtbar. Drei oder vier Gummireifen wälzen sich auf Asphalt ab und ein Motor, der als Antrieb dient. Das Lenkrad wird durch autonom fahrende Autos obsolet und doch es spielt auf der Ebene des Funktionsprinzips eine untergeordnete Rolle. Dieses, immer noch auf Carl Benz beruhende erste Prinzip, führt auch trotz der unglaublichen Weiterentwicklung an mehreren Stellen zu unausweichlichen Interessenkonflikten, die immer für die Sicherheit und gegen die Effizienz entschieden werden.

Der erste und folgenreichste Kompromiss findet bei den Reifen statt. Der Rollreibewiederstand soll im Fahrbetrieb möglichst gering sein, um möglichst wenig Treibstoff zu verbrauchen, doch im Falle einer Notbremsung wünschen wir uns plötzlich das exakte Gegenteil. Jetzt benötigen wir den maximalen Reibwert, damit sich die Reifen an der Straße „festkrallen“ und wir möglichst schnell zum Stehen kommen. Sicherheitsabstände sind bei diesem Prinzip unerlässlich und damit ergibt sich ein weiters Problem, denn jetzt muss sich jedes Auto auf eigene Kraft durch den Wind kämpfen und auch das kostet sehr viel Energie.

Da der Luftwiederstand, der überwunden werden muss, nicht linear mit der Geschwindigkeit steigt, sondern im Quadrat, verdoppelt sich der Widerstand, wenn wir statt 100 mit 140 Stundenkilometern fahren. Die Kraft, die der Motor aufbringen muss, verdreifacht sich, wenn wir mit 170 km/h fahren und der Energieaufwand vervierfacht sich, wenn wir mit 200 km/h unterwegs sind.

Ein hoher Kraftaufwand, erfordert einen großen Motor. Ein großer Motor kommt ohne großes Getriebe oder eine große Batterie nicht aus. Das Gewicht summiert sich auf der Waage. Ein durchschnittliches Auto, in dem oft nur ein Mensch sitzt, wiegt das 20 fache der Nutzlast. 1600 Kilogramm müssen durchschnittlich bewegt werden, um einen 80 Kilogramm schweren Menschen von A nach B zu transportieren.

Unabhängig voneinander bewegende Fahrzeuge mit großen Massen auf schwergängigen Gummireifen, die sich alle auf eigene Faust durch den Wind kämpfen müssen und zudem auch noch ständig abgebremst und wieder beschleunigt werden, verbrauchen Unmengen an Energie.

Dieses erste Prinzip nach Carl Benz führt bei der heutigen Anzahl an Autos zu Verkehrsinfarkten, einer enormen Umweltverschmutzung und unzähligen Todesopfern. Es ist in hohem Maße ineffizient, langsam, unsicher und veraltet. Wir bremsen heute noch an Ampeln und drücken dafür mit zwei Klötzen auf eine Scheibe. Das hat Fred Feuerstein auch schon so gemacht. Die Formeln verraten eine fortschrittlichere Lösung, ein Verkehrssystem 2.0.