
Andere Länder, andere Sitten. Und auch andere Sonnen? Ein willkommener Beifang des Reisens ist, dass wir dabei sehr viel über die Erde lernen.
Was uns sofort auffällt ist, dass die Dämmerung hier viel schneller abläuft als wir das von Zuhause gewohnt sind. Geradeeben war es noch stockdunkel, da taucht die Sonne schon unter dem Horizont heraus und ein paar Minuten später ist es taghell. Solche Feststellungen lassen mir keine Ruhe, bis ich die Ursache verstanden habe. München liegt auf dem 48-igsten Breitengrad. Terrigal, vorzeichenverkehrt, auf dem 33-igsten und befindet sich damit deutlich näher am Äquator. Je näher am Äquator, desto steiler der Aufstiegswinkel der Sonne, was die Dämmerung verkürzt. Der zweite Grund: Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse. Am Äquator ist die Rotationsgeschwindigkeit mit ca. 1670 km/h deutlich höher als in München (ca. 1000 km/h), da der Erdumfang dort am größten ist und in derselben Zeit mehr Strecke zurücklegt wird. Dadurch „durchquert“ Terrigal den Horizont schneller als München, was die Dämmerung noch weiter verkürzt. Spannend!
Was wir auch bemerkten ist, dass sich die Sonne hier nicht, wie über dem bayerischen Himmel im Uhrzeigersinn bewegt, sondern ihm entgegengesetzt und jetzt wissen wir auch warum. Die Erde dreht sich von Westen nach Osten. Von der nördlichen Hemisphäre aus beobachtet, geht die Sonne im Osten auf, mittags steht sie im Süden und geht abends im Westen unter. Dieselbe Bewegung von der Südhalbkugel aus beobachtet ergibt ein anderes Bild. Von „unten“ gesehen, geht sie auch im Osten auf und im Westen unter, steht aber mittags nicht im Süden, sondern im Norden und daraus ergeben sich zwei entgegengesetzte Bahnkrümmungen. Darum wandert die Sonne für einen Beobachter in Deutschland im und für die Australier gegen den Uhrzeigersinn über den Himmel.
Um schöne Drohnenaufnahmen fliegen zu können, müssen die Bedingungen stimmen. Nach einigen Tagen des Wartens war es endlich soweit: Golden Hour bei perfektem Flugwetter, doch leider haben wir uns zu früh gefreut. Wo ein paar Tage zuvor im Sonnenuntergang noch die Wellen gegen den Felsen hämmerten, war jetzt Ebbe und nichts ist hässlicher als ein Strand ohne Wasser. Zu unserer großen Überraschung stellten wir fest, dass sich die Tidezeiten täglich ändern. Warum?




Die Gravitationskraft des Mondes zieht das Wasser auf der Erde an und dadurch entsteht ein Wasserbuckel, der Flut genannt wird.
Da sich die Erde bekanntlich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, benötigt Terrigal dieselbe Zeit, um wieder seine Ausgangslage einzunehmen, doch in diesem Zeitraum hat sich auch der Mond auf seiner Umlaufbahn ein Stück weiterbewegt und diesen Teil muss Terrigal zu einer ganzen Erdumdrehung zusätzlich aufholen, um wieder senkrecht darunter zu stehen. Für eine Erdumdrehung benötigt der Mond 29,5 Tage und der neunundzwanzigeinhalbste Teil eines Tages entspricht 48,81 Minuten.
Darum setzt die Flut jeden Tag rund 50 Minuten später ein als am Vortag. Am Ende des Tages hatten wir zwar keine neuen Filmaufnahmen, haben aber dafür wieder etwas Neues gelernt.